Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 140 von 301

Toleranz – seit jeher

Ach, wie tolerant wir doch sind:
Wir warten mal ab,
noch dulden wir das,
aber sie werden schon sehen,
wohin das führt:
unsre Geduld
über Gebühr belasten
können sie auch nicht;
wenn die Gelegenheit günstig
endlich geworden,
schlagen wir zu,
schlagen wir zu,
schlagen wir sowas
von zu.

*Etymlogische „Meditation“

Nicht einmal nur Indoeuropäisch

Ein Inder,
his mother tongue
is not Hindi.
Parla Italiano
mit seiner Frau.
Deren Muttersprache
ist Ungarisch.
Viene di Romania:
Siebenbürgen.
We all understand
English.
Wir drei sprechen
miteinander
auf Deutsch
oder eventuell
Italiano,
aber nicht Ungarisch,
nicht Rumänisch
und nicht Hindi,
schon gar nicht
Rajasthani.
Er lernt besser Deutsch
zu sprechen
und ich lerne wieder etwas
dazu.

WIR

Heimat ist nicht da,
wo ich allein‘ zu Hause
mich fühl‘. Auch and’re!

Und wo auch uns’re Meinung
’nen Wert hat beim Entscheiden.

Vorläufiges, auf Dauer angelegtes politisches Testament

Und wenn ich nichts bewirke,
so hab ich doch bewirkt,
dass in der Fremde ich
zu Hause mich ganz fühle
und wohl verstehe, dass
die Heimat Heimat nie gewesen,
dass ich trotz Bindung an
die Gegend, wo ich aufgewachsen
und wo ich noch verweile,
zu Hause immer war auf Zeit
(wie auch das Leben endlich
und nicht auf Dauer angelegt).

Migrantenschicksal ist es schon,
wenn ich im Elternhaus nicht weiter wohne.
Und Heimat sei es für die vielen Immigranten,
wo ich zu Haus‘ mich fühl‘ und in der Fremde.
Und meine Kinder weiß ich in der Ferne,
wo sie zu Hause sind und fremd.

Patriarchal sind Ahnenreihen,
die stets an einen Ort sich binden.
Ahnen zu wissen doch
von Vater- und auch Mutterseite,
ob ganz von nah, ob ganz von fern,
ist eine Art Verwurzelung,
die nicht an eine einz’ge Scholle,
so fruchtbar sie auch sei,
verwiesen ist und ihr verbunden.
Welch Vielerlei an Tradition,
Kultur und Lebensart
sich ja mit ihnen allen
verknüpft, die mir vorausgegangen,
was überliefert oder ganz vergessen.
Und ganz unwichtig ist,
was materiell sie einst besessen.
Sie sind in mir. Wenn ich das weiß,
kann ich erst ganz genesen.

Was ich behielt und was ich noch behalte
an Überzeugung dessen, was ja wohl
nicht an Besitz und Geltung ist gebunden,
sondern aus der Erfahrung stammt,
wie dieses Leben mit mir ist verfahren,
wie ich’s durchlebt in Kriegs- und Friedenszeiten,
im Wohlgefühl und in den Kämpfen,
das macht mich aus und nicht
die Zugehörigkeit zu solchen,
die zufällig meine Sprache sprechen
und zugehören wie ich selbst
zu einem zufällig entstandnen Staat
und Volk.

Ach, Bürgerrecht, als Privileg vergeben,
es ist nichts wert, die Menschenrechte sind’s,
auf die auch Minderheiten zu Recht
zu pochen lernen, wenn sie sich versammeln.
Ach, würden Eingewanderte von nah und fern
nie Mehrheit werden in dem Sinn,
dass Minderheiten sie nicht achten,
so wie’s die Eingesessnen meinen zu dürfen.
Die Menschenrechte leben hoch!

Krieg ist nicht ultima ratio, sondern ultima irratio

Einen wichtigen Text von Otmar Steinbicker aus den„Aachener Nachrichten“, 2.5.2009 möchte ich allen Friedensfreundinnen und Friedensfreunden empfehlen, die über eine NATO-freie Welt nachdenken (und generell empfohlen sei auch https://www.aixpaix.de/) – auch wenn sich leider manches anders entwickelt hat als d a m a l s gehofft:

Krieg ist „ultima irratio“: Sicherheit gemeinsam gestalten

Nach 100 Tagen im Amt ist es noch zu früh, die Außenpolitik Barack Obamas zu beurteilen, dennoch zeichnen sich grundlegende Linien ab. Bemerkenswert sind Visionen wie eine Welt ohne Atomwaffen, auch die Radikalität, mit der der US-Präsident eine dramatische Kehrtwende gegenüber der Bush-Ära vollzieht: das Ende der Folterungen in Guantánamo, ein anderer Umgang mit Iran und Kuba. Dramatisch ist aber auch der Misserfolg dort, wo Obama die Bush-Politik nicht verändert, sondern fortsetzt, wie mit der Ausweitung des Krieges in Afghanistan und Pakistan. Nach nicht einmal einem Monat ist die neu verkündete Afghanistan-Strategie kläglich gescheitert. Das Menetekel, das „Newsweek“ zum Amtsantritt auf seine Titelseite schrieb, „Afghanistan ”“ Obamas Vietnam“, nimmt mehr und mehr Gestalt an. Wenn richtig ist, was vor Obama schon prominente ehemalige US-Politiker wie Henry Kissinger feststellten, dass nur eine Welt ohne Atomwaffen dauerhaft die Menschheit vor dem Einsatz dieser fürchterlichen Waffen bewahren kann, dann dürfen, ja dann müssen wir die Frage aufwerfen, ob wir nicht genauso dringend eine Welt ohne Krieg brauchen ”“ nicht als spinnerte Illusion, sondern als Einsicht in die Realität. Das Afghanistan-Desaster zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch zu gewinnen sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion. Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der designierte Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Mosambik eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, „ultima ratio“ zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur „ultima irratio“. So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generäle kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise. Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt ”“ Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet. Sicherheit lässt sich so nicht gegen andere Akteure organisieren, sondern nur gemeinsam gestalten. Die UN-Charta baut auf diesem Grundsatz auf. Auch unser Grundgesetz bekennt sich in Artikel 24 zur kollektiven Sicherheit. Positive Erfahrungen konnten wir am Ende des Kalten Krieges mit dem KSZE-Prozess sammeln. Sollte es eine illusionäre Vision bleiben, Obama zu wünschen, dass er seine Außenpolitik künftig an diesen realistischen Prinzipien ausrichtet? Der Preis ”“ die Aufgabe der Weltmachtansprüche der USA ”“ wäre hoch für ihn, der Gewinn für die Welt umso größer.“

Auf diesen Text bin ich über eine facebook-Diskussion gestoßen, die ich hier für facebook-Freund_innen noch empfehlen möchte: https://www.facebook.com/otmar.steinbicker/posts/700976786601545?comment_id=7330840&offset=0&total_comments=54&notif_t=share_reply

Weg damit*

Militär gegen Streikende.
So etwas kommt ja bei uns nicht vor.
Allerdings Schmarotzer wollen wir auch nicht.

Armut ist doch so unwürdig.
Wahrnehmen wollen wir sie nicht.

* ein Janka

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑