Vom Zug aus,
der nach Venedig fährt,
Blick auf die Lagune,
auf dem Damm nach den Inseln:
Der erste Campanile blinkt auf.
Dann vom Bahnhof
auf das Wasserboot:
die ersten Paläste
und kleinere Boote,
noch auf dem Canale Grande.
Rasch verlassen wir ihn,
der Weg führt einen kleineren
Kanal hinaus
in die Lagune
gegenüber der Begräbnisinsel
immer am Rande der Hauptinsel.
Wir sind da.
Wir finden unsere Wohnung
im dritten Stock:
mit schönem Interieur:
Sofas und Betten und Kunst.
Wir blicken hinaus
auf die enge Gasse,
die wieder ans Wasser führt
auf dem Platz an der Kirche.
Hier sind wir zu Hause.
Ein paar Tage lang.
Stufen gehen weit hinauf
an ein verschlossenes Tor.
Wäsche hängt unter den
zwei kunstvoll geschmückten
Spitzbogen auf Säulen.
Da hinten: die Gasse
wird durch einen Kanal
plötzlich beendet.
Wir sind dennoch auf dem Weg
nach San Marco
durch viele verworrene
Gässchen. Dort geht eine Brücke
über einen Kanal hinüber
auf einen Platz voller Paläste
mit vielen Balkönchen.
Dort aber eine Brücke,
die nur in ein Haus führt.
Vor jeder Haustüre hier: Boote!
Schließlich: Die Gegend von San Marco!
Und viele Bootsanlegestellen!
Und Restaurants und die Seufzerbrücke.
Plötzlich eine unüberschaubare Flut
von Touristen. Und der Dogenpalast!
Marmorüberschwemmt!
Weitere Inseln in der Lagune.
Wieder ein Campanile!
Laternen über Laternen!
Und Händler und Läden!
Und dann: d e r Campanile
von San Marco.
Kategorie: Allgemein (Seite 4 von 97)
Am Freitag war ich bei der Beerdigung meiner Tante Elfriede (Elle). 109 Jahre alt war sie. Lange ist das Leben (unter Umständen). Vor allem, wenn man halbseitig gelähmt ist.



Im unteren Himmel wurden
Wolkenpakete rasch verschoben.
Weit drüber standen Schäfchenwolken am Blau.
So am Donnerstag. Doch Regen am Freitag.
Aber für Tante Elle war es zeitweise so wie am Donnerstag.
Verhandeln.
Verhandeln.
Verhandeln.
Zugeben, was man selber
Böses getan hat.
Zugeben, dass man das
dem andern nur vorwerfen wollte.
Sich bei dem andern entschuldigen.
Den andern entschulden.
Überlegen, wie man wieder
miteinander auskommt.
Besserung geloben.
Endlich Frieden schließen.
Schneebedeckt die hohe Birke.
Ausgestreckt die Äste in das Blau.
Noch in der Eiseskälte Vogelgesang.
*ein Achtundzwanziger vom 11. Februar 2013
Geborgenheit in meinem Wollpullover,
in meinem Zuhause,
im Denken an Wanderungen,
die mir behagten,
mitten im Winter,
wenn er recht kalt ist.
Ich möchte sie festhalten
für meine Nachkommen.
Wie können sie sich geborgen fühlen,
wenn Krieg tobt?
Krieg darf nicht sein,
nicht in unserem Land,
nicht in fremden Ländern,
Krieg darf einfach nicht sein.
Vielleicht gelingt es uns noch,
ach, welche Freude,
wenn dieses gelingt
in Freundschaft mit allen
Menschen in dieser Welt.
Wenn Geborgenheit innerlich erlebt,
im Außen bewährt,
mit Menschen,
die wir lieben
dürfen
ohne Entscheidungen,
die uns im Mark treffen.
Geborgenheit
im wollenen Pullover,
im leichten Hemd
in der Sonne des Sommers,
im weißen, weißen Schnee des Winters
im Bewusstsein,
dass endlich alles gut ist.
Der Tag des Neuanfangs, der Tag des Lichts.
Oh, wie hoffe ich, dass es auch ein Neuanfang in Palästina werde.
Dass die israelischen Behörden endlich Anstrengungen zum wirklichen Frieden machen.
Und ein Neuanfang in der Ukraine, dass dort doch (irgendwann)
Friedensverhandlungen beginnen mögen.
ILO 1919: “Der Weltfriede kann auf die Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden.“
Hört doch auf sie!
In diesen Zeiten
möchte ich mir vorstellen,
ein Migrant zu sein.
Ein wenig bin ich es schon:
Ich wohne nicht an meinem
Geburtsort
mehr.
Eigentlich bin ich fremd hier,
aber einigermaßen
anerkannt wohl.
Aber ich war im Staatsdienst,
also versetzbar.
Aber ich möchte mich einfühlen
in eine*n,
die oder der
aus einem fremden Land kommt.
Nein, sein oder (womöglich auch:) ihr Schicksal
will ich wohl nicht,
aber nachfühlen, wie es ihr oder ihm
geht in einem fremden Land.
Ich bin bestürzt, wenn ich höre:
Die sind doch Fremde hier,
sollen sich nicht so haben,
müssen sich eben anpassen!
Eben?
Geflohen aus schöner Heimat
oder grässlichen Verhältnissen
oder einfach aus Hunger,
aus purer Armut,
wie einst die Deutschen,
die flohen nach Amerika.
Ach, wenn ich es ihnen
nachfühlen könnte,
wenn sie Nachzug
fürchten. Sie wissen’s
wohl „besser“?
Und hier: die Deutschen,
die auch Nachzug fürchten,
die auch verachten, wer anders
gar ist als sie selber
oder in einem demokratischen Land
ihre Rechte in Angriff genommen werden?
Ach, ich möchte das alles nicht,
bin traurig nur, wenn solche
auf „Heimat“ pochen,
auf das, was mir selbst
neu gegeben,
und jenen Migranten
vielleicht doch auch schon?

