Die Lügen, angetan
mit des Kaisers neuen Kleidern,
angetan, uns
zu versklaven
und zwar dergestalt,
dass sie wie Honig
uns die Kehle hinabläuft,
diese Vergewaltigung
und nennen sie sie nicht auch
beim Namen: benennen sie sie nicht
mit dem geheiligten Namen:
Demokratie?
Guten Morgen,
es holpert, heftig. Die Mehrzahl „Lügen“ beißt sich so derb mit „daß sie wie Honig […] hinabläuft“, daß ich es jetzt doch ans Licht zerren muß, mein Unbehagen.
Was braucht es schon, um die Lüge
als Demokratie zu verkaufen?
Nur absolute Gewissenlosigkeit.
Es holpert, lieber Emil? Natürlich holpert es. In erster Linie holpert die Demokratie. Aber kaum jemand merkt’s. Wenn’s nicht Honig ist, welches Schmiermittel setzen sie dann ein? Eigentlich müsste absolute Gewissenlosigkeit doch auffallen. Tut’s aber nicht!
Liebe Grüße
Helmut
Subjekt (Lügen) und Prädikat (hinabläuft) sind im Numerus aneinander angepaßt, das ist das Holpern, das ich meinte. Oder ordne ich da etwas falsch zueinaner zu?
Die absolute Gewissenlosigkeit scheit für einige Wahlämter oder Berufungen Voraussetzung zu sein, wenn ich mir die aktuelen Merkeleyen so betrachte.
Entweder sind es „die Lügen“, die „hinablaufen“
(oder „diese Vergewaltigung“, die „hinabläuft“)
oder aber „die Lüge“, die „hinabläuft“…
Da hat der Emil schon zu Recht gestutzt – ich nämlich auch.
Euch ein schönes Wochenende
Moni
Stutzen finde ich gut, sehr gut, liebe Moni, lieber Emil. Es k a n n ja nur e i n e der 3 Versionen Monis richtig sein, wenn man den Text ernst nimmt. Dass die Leserin/der Leser dabei stutzen muss, soll so sein! So einfach wird es uns nicht gemacht, weder hinter das Lügengeflecht zu kommen, noch uns zu wehren dagegen, dass wir es einfach hinnehmen, bzw. uns für die Wahrheit, die niemand hören will, einzusetzen. Ist da das „holprige“ Gedicht nicht eine Art konkreter Poesie?
Liebe Grüße Euch beiden
Helmut